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von 26. Mai 2021 Aktuelles

MINT-Nachwuchsbarometer 2021

Die Körber-Stiftung und acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften haben die Ergebnisse des jährlichen MINT-Nachwuchsbarometers veröffentlicht. Neben den wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten entlang der Bildungskette steht in diesem Jahr insbesondere das „Lernen im Lockdown“ im Fokus. Bereits vor der Krise zeigten Schulleistungsstudien, dass die Gruppe lernschwacher Kinder und Jugendlicher im MINT-Bereich groß ist und einer nur sehr kleinen leistungsstarken Gruppe gegenübersteht. Dies bestätigen die aktuellen Zahlen. Auch wenn die Folgen der Schulschließungen für Kinder und Jugendliche noch nicht absehbar sind, sehen die Autoren des Berichts die Förderung gerade bildungsbenachteiligter Kinder als zentrale Aufgabe für die nahe Zukunft.

Kernbefunde sind:

  • Die mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen der Grundschulkinder liegen unter dem EU- und OECD Durchschnitt, rund 25 % sind leistungsschwach.
  • Im internationalen Vergleich besuchen Lehrkräfte deutscher Grundschulen seltener Fortbildungen zu digitalen Medien im Unterricht. Nur 8 % der Kinder werden von entsprechend fortgebildeten Grundschullehrkräften in Mathematik unterrichtet (EU: 27 %).
  • Werden adaptive digitale Tools im Unterricht eingesetzt, bewirken diese einen Kompetenzzuwachs von bis zu einem Lernjahr. Kinder mit mathematikspezifischen Lernschwierigkeiten können von solchen Tools profitieren.
  • Technische Bildung führt ein Schattendasein: Sachsen-Anhalt bietet als einziges Bundesland ein eigenständiges Fach Technik für alle Klassenstufen an.
  • Die genderspezifische Fächerwahl hat sich seit Jahren kaum verändert: Physik wird als Leistungskurs nur zu 25 % von Mädchen gewählt, eine MINT-Ausbildung machen nur zu 11 %  junge Frauen, ein ingenieurwissenschaftliches Studium beginnen nur zu 25 % Studentinnen.
  • Mehr als jedes fünfte MINT Ausbildungsverhältnis wird abgebrochen. Im Jahr 2020 wurden 21.000 MINTAusbildungsverträge weniger als im Vorjahr abgeschlossen
    (ca. jeder vierte davon bedingt durch Corona).
  • MINT-Studiengänge machen bei Studienanfängerinnen und Studienanfängern einen Anteil von 38 % aus. Die Hälfte von ihnen beginnt ein ingenieurwissenschaftliches Studium. Folgende Impulse werden daraus entwickelt:
  • Frühe Bildung stärken (MINT-Fortbildungsangebote für Fachkräfte im Kita- und Grundschulbereich; verbindliche MINTBildungsstandards für Sachunterricht definieren und umsetzen; Lernerfahrungen und Kompetenzen von Kindern im Umgang mit digitalen Medien sowie Verständnis für digitale Technologien und ihre Wirkungsweisen fördern.)
  • Chancen- und talentgerechtes Lernen fördern (Kinder und Jugendliche an beiden Enden des Leistungsspektrums systematisch fördern; klischeefreie MINT-Bildung als Teil der Lehrkräftebildung; Übergänge zwischen Grundschule und weiterführender Schule unterstützen).
  • Potenzial der Digitalisierung nutzen (Erfahrungen aus der Covid-19-Situation aufarbeiten und nutzen, Austausch digitaler Lehr- und Lernkonzepte stärken; digitale Strukturen an Schulen ausbauen; Umgang mit digitalen Tools und Lernplattformen, informations- und computerbezogenen Inhalten und Methoden sowie Data Literacy müssen Teil der Lehrkräftebildung werden).

 

Bewertung: Die Daten zeigen erneut, dass es keinen Mangel an Erkenntnissen gibt, sondern an Umsetzung. Der Anteil leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler gerade im Grundschulalter ist seit Jahren stabil oder sogar zunehmend. Die kommenden Herausforderungen durch Digitalisierung, Struktur- und Klimawandel erfordern einen hohen Anteil von qualifizierten Fach- und Führungskräften mit MINT-Profil. Digitalkompetenzen werden zudem zu Alltagskompetenzen. Es ist daher zentrale Aufgabe der Bildungspolitik, die bestehenden Mängel insbesondere in der Lehrerbildung sowie in der Ausstattung der Schulen zu beheben. Ein besonderer Fokus muss dabei auf digitalen Kompetenzen liegen. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der durch die Schulschließungen entstandenen Defizite gerade bei bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen. Hier müssen zielgerichtete und bedarfsgerechte Angebote geschaffen werden. Den gesamten Bericht können Sie unter www.acatech.de abrufen.

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