Wie soll sich Wirtschaft in der Schule engagieren?

von 4. März 2019 Aktuelles
Das Diskussionsforum wurde von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) am 20. Februar 2019 im Rahmen von „didacta aktuell“ in der Messe Köln veranstaltet.
Auf Augenhöhe! Kontroverse Diskussion beim BDA-Forum auf der „didacta“
Gisela Mendritzki leitet die Albert-Schweitzer-Realschule plus in Mayen (Rheinland-Pfalz) und ist im lokalen Arbeitskreis SCHULEWIRTSCHAFT aktiv. Das Geheimnis für eine gute Zusammenarbeit mit der Wirtschaft? „Wir sprechen miteinander“. Betriebe wie der Energieversorger RWE, das Seehotel Maria Laach oder das Klinikum sind Schulpaten. Wenn sich die örtliche Sparkasse an der Schule engagiert, sehe man natürlich die Eigenwerbung, aber „damit können wir umgehen, auch meine Schülerinnen und Schüler“. Als eine Versicherung dagegen Adressen einsammeln wollte, war Schluss. Hier eine klare Grenze zu ziehen, fällt der Schulleiterin aber nicht schwer. Eine versuchte Einflussnahme auf Inhalte des Unterrichts hat die langjährige Lehrerin noch nie erlebt.
Einen solchen illegitimen Einfluss fürchtet aber die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Fastfood-Ketten würden den Schulen Material zur „gesunden“ Ernährung – in ihrem Sinne – anbieten. GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe begrüßte in der Diskussion die Zusammenarbeit Schule – Wirtschaft bei der Beruflichen Orientierung. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe “sei in Ordnung”. Tepe kritisierte vielmehr, dass Betriebe zu wenig Praktika für Hauptschüler/innen durchführen oder kleine Betriebe Praktika gar nicht umsetzen könnten. Sie lehnte ein eigenes Unterrichtsfach „Wirtschaft“ vehement ab: Wirtschaft könne immer nur ein Teil eines übergreifenden sozialwissenschaftlichen Fachs sein. Die Politische Bildung sei heute wichtiger denn je.Staatssekretär Mathias Richter vom Kultusministerium Nordrhein-Westfalen betonte, dass eben deshalb jetzt das Fach „Wirtschaft – Politik“ eingeführt werde: Ökonomische und politische Bildung gehören zu einer zeitgemäßen Allgemeinbildung. Junge Menschen sollen Grundkenntnisse der Sozialen Marktwirtschaft erhalten. Dazu zählen auch Themen wie Soziale Sicherung, Tarifautonomie und Betriebsverfassung oder Arbeitsplätze. Eine Beeinflussung der Wirtschaft hat Richter nicht beobachtet. Das Engagement von Unternehmen für Schulen begrüßte er dagegen sehr. Vor Ort gingen die Betriebe auf die unterschiedlichsten Schulformen zu, auch auf Hauptschulen. Richter lobte insbesondere die JUNIOR-Schülerfirmen als “tolle Initiativen”.Auch Hans Jürgen Metternich unterstrich, dass er als Ausbildungsleiter bei Evonik Industries AG keineswegs auf das Gymnasium fixiert sei, sondern vor allem in der Realschule das Fachkräftereservoir sieht. Entscheidend für die gute Kooperation sei es, sich abzusprechen: „Wir stimmen unsere Praxisangebote mit dem Lehrplan der Schule ab, wir klären die Gemeinsamkeiten“. Auch bei der Vor- und Nachbereitung der Schülerpraktika in der Schule sei der Verantwortliche aus dem Betrieb dabei. Er warb leidenschaftlich für die duale Ausbildung als Alternative zum Studium, zumal angesichts vieler Studienabbrüche. Für das Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT unterstrich Metternich als Bundesvorsitzender Wirtschaft das Leitbild einer „Partnerschaft auf Augenhöhe“.
Weitere Informationen: www.didacta-koeln.de
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